Feminismus – Was ist das eigentlich genau?

Ein Beitrag zur Begriffsklärung
Da es oft Missverständnisse gibt über den Begriff Feminismus und darüber, was es bedeutet, ein/e Feminist/in zu sein, hier eine kurze Definition dazu:
Der Begriff Feminismus stammt aus einer Zeit, in der der Kampf der Gleichberechtigung der Geschlechter zum allergrößten Teil von Frauen ausging und er leitet sich von dem lateinischen Wort femina (= Frau) ab. Erstmals entstand er Ende des 19. Jahrhunderts und setzte sich 1968 als internationaler Leitbegriff durch. Feminismus bedeutet also die Forderung nach sozialer, politischer und wirtschaftlicher Gleichstellung der Geschlechter. Es geht darum, dass Männer in unserer Gesellschaft immer noch häufig priorisiert werden und es ungesunde Stereotypen gibt, worunter Frauen, aber auch Männer leiden.
So gibt es Lohn- und Gehaltsunterschiede, bei denen die Frauen im Nachteil sind, Berufschancen für Frauen sind in vielen Bereichen schlechter, aber auch, was weniger oft beachtet wird: Produkte für Frauen sind oft deutlich teurer als das männliche Pendant dieses Produkts, um nur ein paar wirtschaftliche Probleme zu nennen. Sexualisierung und sexualisierte Gewalt gegen Frauen sind zwei weitere große Probleme.
Die Liste geht weiter, doch an dieser Stelle ist es wichtig zu erwähnen, dass der Feminismus auch eindeutig anerkennt, dass oben aufgezählte Probleme auch von Männern erlebt werden und es das Ziel ist, Ungleichbehandlung nicht nur auf Seiten der Frauen, sondern auf beiden Seiten zu beheben.
Ein/e Feminist/in zu sein, bedeutet nicht, dass man das weibliche Geschlecht dem männlichen bevorzugt, sondern ganz einfach, dass man sie einander gleichstellt. Feminismus bedeutet also nicht: Frauen > Männer, sondern: Frauen = Männer. Männer können also ebenso Feministen sein!
Vorstellungen von Sexismus, Misogynie und Antifeminismus stehen somit im totalen Gegensatz zum Feminismus.
Als Feminist/in muss man sich auch nicht automatisch gegen alle gesellschaftlichen Stereotypen und Normen stellen, sondern es bedeutet einfach, dass man als Mensch, egal, als welches Geschlecht man sich identifiziert, die Wahl hat selbst zu entscheiden, wie man leben möchte und dies unabhängig vom Geschlecht frei und ohne Hürden tun kann.
Somit steht Feminismus letztlich nicht nur für die Gleichstellung von Mann und Frau, sondern auch die aller anderen Geschlechter.

Dieses so oft ins Negative gezogene Wort „Feminismus“ hat also eigentlich eine positive Bedeutung. Ich hoffe, ich habe die gröbsten Missverständnisse über diesen Begriff aufklären können!

Elisa Scholpp

Black Lives Matter

(Teil II)

Black Lives Matter ist nicht allein auf die Unterdrückung Schwarzer in den USA und Europa bezogen. In Nigeria passieren momentan Dinge, von denen nur wenig gesprochen wird. Die Polizei-Einheit „SARS“ (= Special Anti Robbery Squad), die ursprünglich im Jahre 1984 gegründet wurde, um die Diebstahl- sowie Entführungsquote zu senken, hat dieses Ziel zwar erreicht, aber selbst genau die gleichen Verbrechen ebenso begangen. In den letzten Jahren sollen die Aktionen dieser Gruppe außer Kontrolle geraten sein, fast jeder in Nigeria machte schlimme Erfahrungen mit ihnen, mit vielen Arten des Missbrauchs, mit Folter und sogar Mord. Es ist schwer, hier den Zusammenhang mit Black Lives Matter sofort zu erkennen, da die Mitglieder der SARS, die Unterdrücker, in diesem Fall auch schwarz sind, doch wird dies einem kurz erläutert, ist es eigentlich sofort verständlich: Black Lives Matter kämpft nicht nur gegen die Unterdrückung schwarzer Menschen durch weiße, es geht also nicht nur um Rassismus, sondern ursprünglich wurde die Bewegung gegründet, um auf genau das aufmerksam zu machen und dagegen zu kämpfen, was hier der Fall ist: das Töten unschuldiger schwarzer Menschen. Das ist ja gemeint: Das Leid schwarzer Menschen soll zählen – weltweit. Der SARS rechtfertigte all diese Angriffe und Gewalttaten an den Menschen mit deren Aussehen! Sie trugen entweder ein auffälligeres T-Shirt als andere, hatten ein iPhone oder es lag an ihrem Beruf: sie arbeiteten in der Technik-Industrie oder Ähnlichem. Für uns völlig normale Dinge, doch in den Augen der SARS alles Hinweise auf Kriminalität, was natürlich irrwitzig ist. All dies kam durch eine Klage und ein Video ans Licht, worauf heftige Proteste vor allem in Lagos stattfanden und das Hashtag #EndSARS im Internet über Afrika, Europa und die USA seine Runden drehte.

Am 29. März 2021 begann der Gerichtsprozess gegen den Ex-Polizisten Derek Chauvin, zehn Monate nachdem er George Floyd ermordet hatte, dessen Tod diese Bewegung erst wirklich ausgelöst hat. Chauvin wurde wegen Mordes zweiten und dritten Grades angeklagt ist, sowie wegen Totschlags zweiten Grades. Er wurde in all diesen Punkten am 20. April schuldig gesprochen. 

Weitere Tode unschuldiger schwarzer Menschen durch Polizeigewalt, wie beispielsweise Daunte Wright und Ma‘Khia Bryant und leider vielen weiteren, führen in den USA und anderen Teilen der Welt immer noch des öfteren zu Protesten, wenn auch unglücklicherweise nicht mehr so oft wie letztes Jahr.

Viele erhoffen sich nun mit der neuen Präsidentschaft von Joe Biden und der Vize-Präsidentschaft von Kamala Harris eine Änderung dieser furchtbaren Lage, in der sich vor allem Schwarze in den USA momentan befinden, aber auch viele andere Menschen, die aufgrund von Aussehen, Hautfarbe, Sexualität, Identität, Auftreten, Geschlecht oder was auch immer nicht in das stereotype Bild passen, das unsere Gesellschaft als normal vorschreibt. So viele Faktoren machen immer noch einen Unterschied in der Art, wie Menschen behandelt werden, obwohl wir doch eigentlich alle gleich sind und es an der Zeit ist, dass dies keine Rolle mehr spielt. Doch nicht nur in den USA sollte auf dieses Ziel hingearbeitet werden, sondern auf der ganzen Welt.

Wie kann man helfen? Es gibt viele Wege, dies zu tun. Es können Zurechtweisungen gegen rassistische Bemerkungen oder rassistisches Verhalten sein. Man kann andere Leute darüber informieren und darüber aufklären, sei es im Alltag oder beispielsweise durch Social Media. Wenn die Coronalage es erlaubt, kann man an Protesten teilnehmen und Petitionen unterschreiben. Es gibt viele Möglichkeiten zu helfen und, auch wenn der Einfluss mancher kleinen Erfolge im Moment winzig erscheinen mag, kann, wenn wir alle zusammenarbeiten, auf Dauer ein großer Unterschied gemacht werden.

Elisa Scholpp

Black Lives Matter

Wahrscheinlich haben die meisten von euch in letzter Zeit etwas von der großen Anti-Rassismus Bewegung gehört, die momentan vor allem in den USA in Form von riesigen Protesten, aber auch in vielen anderen Teilen der Welt unter dem Namen „Black Lives Matter“ von sich Hören macht.
Aber was genau ist das Ziel dieser Bewegung, wodurch wurde sie ausgelöst, wer führt sie an und wie soll dieses Ziel erreicht werden? 

Am 25. Mai diesen Jahres wurde der dunkelhäutige Amerikaner George Perry Floyd in den Straßen von Minneapolis durch Polizeigewalt ermordet. Er hatte angeblich mit einem gefälschten 20$ Schein bezahlt, woraufhin die Polizei gerufen wurde und ihn zu Boden drängte. Dort lag er dann, mit dem Knie des Polizisten Derek Chauvin auf dem Hals, sagte über 20 mal, er könne nicht atmen, nach sechs Minuten war er nicht mehr ansprechbar und schließlich nach 8 Minuten und 46 Sekunden der Atemnot vollkommen bewusstlos und ohne Puls. Nachdem endlich der Krankenwagen gerufen wurde, wurde Floyd – eine Stunde nach dem Vorfall – im Krankenhaus für tot erklärt. Da umherstehende Passanten einen großen Teil des Vorfalls filmten und ins Internet stellten, war es möglich, der ganzen Welt so die ‚Minderwertigkeit‘ dunkelhäutiger Menschen in den USA vor Augen zu führen.

Dieser Fall wird vielen von uns sicherlich komplett befremdlich und ungewohnt erscheinen, schon allein, weil es Gewalt und öffentlichen Rassismus in diesem Ausmaß hier in Deutschland wohl nicht gibt. Doch ob man es glaubt oder nicht, dieser Fall war in den USA längst nicht der erste.
Fakt ist, dass der Anteil der Dunkelhäutigen an der Bevölkerung der USA 2015 12% betrug, jedoch 26% der durch Polizei im Einsatz getöteten Menschen eine dunkle Hautfarbe hatten. Welche dieser Fälle auf Rassismus zurückzuführen sind, ist unklar, doch die Zahlen und Schlagzeilen sprechen in diesem Fall schon für sich. 

Zwar ist Floyd nur einer unter vielen – BreonnaTaylor, Ahmaud Arbery, Eric Garner, Tony McDade, Dion Johnson, Michael Brown, Tamir Rice, Walter Scott, Alton Sterling, Philando Castile, StephonClarke, um hier nur ein paar der bekanntesten Todesfälle Dunkelhäutiger durch Polizeigewalt zu nennen (die Liste könnte noch beliebig weitergeführt werden) -,  doch trotzdem war sein Fall, unter anderem auch durch die enorme Aufmerksamkeit, die er in den sozialen Medien erlangte, der, der das Fass zum Überlaufen brachte. Die Menschen in den USA haben nun endlich genug.

„I can´t breathe“; „Say their names“, „Black LivesMatter“, „No justice, no peace“. Tagelang hörte man in den US-amerikanischen Städten wie Washington D.C., Los Angeles, Houston und in Staaten wie Illinois und New York diese Rufe durch die Straßen schallen.
Das Ziel sind vor allem friedliche Proteste – auch wenn sie leider öfters ausarten – gegen die Unterdrückung Dunkelhäutiger, aber auch Latinos und vieler anderer Menschen, die täglich unter den Einstellungen der Gesellschaft und der Gewalt der Polizei leiden müssen. Die Bewegung hat keinen wirklichen Anführer, jeder geht aus seinem eigenen Willen heraus protestieren, Dunkelhäutige sowie Weiße, um ein besseres, gerechteres Amerika zu schaffen. In einigen Staaten verwendet die Polizei Tränengas und Gewalt, um die Proteste stillzulegen. Doch die Menschen lassen sich nichts mehr gefallen. 

Die Bewegung „Black Lives Matter“ schwappte auch schnell nach Europa und in andere Teile der Welt über. Auch in Deutschland gingen mehrere tausend Menschen auf die Straßen und protestierten.
Sogar hier in Stuttgart fanden mehrere Proteste statt, denn niemand kann sich hier etwas vormachen: Rassismus existiert auch bei uns, wenn auch vielleicht nicht in dieser extremen und offensichtlichen Form. Wer zu dieser Zeit auf allen möglichen Social Media Plattformen unterwegs war, hat sicher auch schon das Hashtag #BlackLivesMatter gesehen, welches für mehrere Wochen ganz oben in den Trends war. Jeder Influencer und Prominente hat etwas dazu gepostet, ob er es ernst meinte oder nicht.

– Fortsetzung folgt –

von Elisa S.