Buchempfehlung

“No und ich“ ist ein Taschenbuchroman der französischen Autorin Delphine de Vigan.
Er handelt von zwei Mädchen, No und Lou. Sie gleichen sich beide nicht einmal ansatzweise und doch kommt es zu einer festen Freundschaft zwischen den beiden.
Während Lou 13 Jahre alt ist und hochbegabt ist, ist No 18 und wohnt auf der Straße. Durch eine Präsentation in ihrer Schulklasse, die Lou über das Leben einer Obdachlosen jungen Frau halten soll, trifft sie zufälligerweise auf No. Nach einer Weile lässt sich No auf Gespräche ein und nach und nach entwickelt sich eine Freundschaft zwischen ihnen.
Doch es ist keine Freundschaft, die man vielleicht als „normal“empfindet, denn beide haben ganz unterschiedliche Probleme mit sich selbst und ihrem Umfeld.
Lou möchte No bei sich aufnehmen. Nachdem sie ihre Eltern davon überzeugen kann, dass No keine Umstände machen würde, darf No bei ihnen wohnen. Durch No fühlt Lou sich wohler und nicht mehr so allein, doch nachdem No einen Rückfall ihres Alkoholproblems hat, läuft vieles schief, bis Lous Eltern sie wieder rauswerfen. Und nun müssen neue Probleme bewältigt und beseitigt werden und vieles kommt auf die zwei Mädchen zu.

„Bevor ich No kennenlernte, dachte ich, Gewalt, das seien Schreie, Schläge, Krieg und Blut, jetzt weiß ich, dass Gewalt auch im Schweigen sein kann, dass sie manchmal nicht mit bloßem Auge zu erkennen ist. Gewalt ist diese Zeit, die die Wunden verdeckt, die unerbittliche Abfolge der Tage, die Unmöglichkeit einer Rückkehr in die Vergangenheit. Gewalt ist das, was wir nicht begreifen, sie schweigt, sie zeigt sich nicht. Gewalt ist, was sich nicht erklären lässt, was für immer undurchsichtig bleibt.“

“No und ich” ist meiner Meinung nach ein sehr gutes Buch, denn es schärft den Blick dafür, dass die Welt nicht nur „schön und bunt“ ist, und rüttelt auf. Empfehlenswert!

Monoke M.

Harry Potter und das verwunschene Kind

Im Mehr! Theater am Großmarkt (Hamburg) läuft ab jetzt ein neues Meisterwerk: „Harry Potter und das verwunschene Kind“ feiert im März seine offizielle Premiere, die Voraufführungen laufen jedoch bereits seit Februar. Jack Thorne hat, basierend auf Joanne K. Rowlings Geschichte, eine weitere Welt des etwas gealterten Harry Potter geschaffen.

Für die Besuchermassen wurde im Foyer extra ein neuer Teppich mit Hogwarts Logo ausgelegt, gedimmte Glühbirnen, die an langen Kabeln von der Decke hängen, sollen die schwebenden Kerzen in der großen Halle darstellen. Türkisene Patroni an der Wand enthalten Zitate aus dem Skript und auch die Souvenirshops geben einiges her. Im Pavillon nebenan kann man sich in der Pause Essen besorgen, auch wenn die Essenstheke ziemlich teuer und die Schlange dafür ziemlich lang ist.

Da ich vor der Aufführung bereits das Skript zu Harry Potter und das verwunschene Kind gelesen hatte, war ich anfangs ein wenig skeptisch, da die Story ausgefranst und die Witze flach auf mich wirkten. Doch kaum hatte ich das Theater betreten, lösten sich meine Bedenken in Luft auf: auch hier hingen Glühbirnen als Kerzen von der Decke, an der Wand hingen Tierköpfe, die, ganz nach Hogwarts Art, kleine Leuchter hielten. Und dann die Bühne: Sie hatte man wie das Bahngleis 9 ¾ gestaltet. Koffer lagen, standen und stapelten sich auf der Bühne verteilt, Uhren, Säulen und verzierte Gerüste erinnerten an Harrys erste Abfahrt in King´s Cross.

Sowie das Stück begann, war ich gefesselt. Zwar war die schauspielerische Leistung nicht außergewöhnlich und durch die stets gehetzt wirkenden Wortgefechte etwas gewöhnungsbedürftig, doch waren die Effekte unglaublich real und mitreißend und ließen mich keinen Moment in Langeweile versinken. Sei es die Art, wie die Spieler, mit ihren Umhängen tanzend, das Bühnenbild veränderten, oder seien es die Dementoren, die schaurig-schön durch den Saal über das Publikum hinweg schwebten. Anfangs war es anstrengend und durch häufiges Geschrei sogar etwas nervig, doch im Laufe der Geschichte kamen immer mehr ruhige, gar philosophische Szenen hinzu. 

Nach zweieinhalb  Stunden gab es zwei Stunden Pause, dann noch einmal zwei Stunden Aufführung. Die Spannung stieg merklich und einige der eigentlich so flachen Witze wurden so gut rübergebracht, dass das Publikum in spontanen Applaus verfiel. Ich bekam mehr und mehr das Gefühl, mittendrin zu stecken und das goldene Trio noch besser kennenzulernen als nach dem siebten Harry Potter Band. 
Alles in allem waren Pausen und Eintritt ein wenig schlecht organisiert, das Stück an sich aber perfekt getimt, abwechslungsreich, lustig, spannend und absolut verzaubernd. Für jeden Harry Potter-Buch-Verschlinger ein absolutes Muss!

von Jill L.